Einleitung – mit dem Wohnmobil durch Ontario
Wieder einmal waren wir auf dem nordamerikanischen Kontinent unterwegs. Diesmal haben wir mit einem Wohnmobil den Bundesstaat Ontario erkundet. Begleitet wurden wir durch den Indien Summer, der sich durch seine rötlich, orange Farbenpracht der Bäume auszeichnet. Ontario hat mit seinem unzähligen Provincal- und Nationalparks einiges zu bieten. Unzählige Wanderungen, Kanu- und Kajakfahrten und wahnsinnig freundliche Menschen erwarten Dich auf dieser Tour. Mit unserem Wohnmobil hatten wir unser Zimmer quasi immer dabei. Für uns eine völlig neue Erfahrung. Was wir erlebt haben, welche Route wir gewählt haben und was es beim Mieten eines Wohnmobils zu beachten gibt, erfährst Du in diesem Artikel.
Reisezeit
Die beste Reisezeit für Deine Reise nach Kanada hängt natürlich immer von Deinen persönlichen Präferenzen ab. Den Bundesstaat Ontario kann man im Grunde genommen das ganze Jahr über gut bereisen. In Hinblick auf die Reise mit einem Wohnmobil empfehle ich Dir eine Reise von Mai bis Oktober. Hintergrund ist, dass vor Mai und nach Oktober nur wenig Campingplätze offen haben.

Anreise nach Kanada
Nach Ontario kommst Du bequem mit dem Flugzeug. Die Air Canada fliegt z.B. recht regelmäßig von vielen deutschen Flughäfen direkt nach Toronto. Hier findest Du auch viele Verleih Firmen von Wohnmobilen. Zu beachten ist hier, dass viele Vermieter Dir das Auto, aufgrund der Zeitverschiebung von 6 Stunden, erst am nächsten Tag aushändigen.
Wohnmobil mieten
Wohnmobile kannst Du von bei vielen Anbietern mieten. Zu den größten und bekanntesten gehören CanaDream, Cruise Canada, Fraserway RV und Four Seasons RV. Jeder der Anbieter bietet verschiedene Größen an. Schau einfach mal auf deren Webseiten, was für Dich und Deine Ansprüche am besten passt. CanaDream und Fraserway RV haben meiner Erachtens die jüngsten (also wenig Laufleistung) und modernsten Wohnmobile. Sie sind dafür aber auch teurer als z.B. Four Seasons. Auf deutschen Seiten wie CanUSA und Camperdays kann man sich sein Wohnmobil zusammenstellen und auch direkt buchen.

Achte bei der Buchung des Wohnmobils auf die Ausstattung des Interieurs. Gemeint sind hier Gegenstände, wie Bettwäsche, Handtücher, Besteck, Teller, Tassen usw. Es ist praktisch, wenn man ins Wohnmobil einsteigt und direkt losfahren kann. Das sind meist Zusatzpakete, die Du bei der Buchung mit angeben kannst. Du ersparst Dir, die Dinge zu kaufen und im Nachgang wieder veräußern zu müssen.
Wohnmobile können in Nordamerika größer ausfallen, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Du benötigst zum Fahren aber lediglich eine Führerscheinklasse B.
Suche nach Campingplätzen
Wenn Du mit Deinem Wohnmobil in Nordamerika unterwegs bist brauchst Du natürlich auch Plätze an denen Du Dich abstellen darfst. Die Vorstellung von romantschen Plätzen am See wurde uns leider genommen, da viele Zugänge zu Gewässern in privater Hand sind. Man darf sich, ähnlich wie in Skandinavien, auf Landflächen der Regierung abstellen, diese sind aber schwer zu finden. Die Empfehlung ist also, einen der vielen Campingplätze zu nutzen oder sich mit seinem Wohnmobil auch mal auf einem Walmart oder Staples Parkplatz hinzustellen.
Finden kann man die Campingplätze für Wohnmobile mit diversen Apps wie RV Parky, iOverloader und einer community basierten Karte von WoMo-Abenteuer. Wir standen zwei Mal auf einem Walmart Parkplatz. Hier solltest Du vorher checken, ob der Betreiber das auch erlaubt. Wenn er es erlaubt, dann sollte man innen am Infostand noch einmal Bescheid geben und offiziell fragen, ob man sich da hinstellen darf.

Gerade in der Hauptsaison ist zu empfehlen sich frühzeitig um Campingplätze zu kümmern. Den Platz den Du benötigst hängt von Deinem Wohnmobil ab. Oft hört oder liest man Dinge wie „Full-Hook-Up“ und „Back in“. Doch was bedeuten sie? Hier eine einfache Auflistung:
| Pull Thru | hier kannst Du von beiden Seiten aus mit Deinem Wohnmobil reinfahren. Die Stellplätze haben meist Wasser und Strom. |
| Back in | Hier kannst Du nur von einer Seite aus reinfahren. Die Plätze haben meist Wasser und Strom. |
| Full Hook Up | Meist von beiden Seiten aus zugänglich (wie Pull Thru). Der Stellplatz hat Strom, Wasser und einen direkten Anschluss für Abwasser- und Toilettenentsorgung. |
Die meisten Stellplätze sind mit 30/50amp (Ampere) ausgestattet. Das sind die Standard Strom Anschlüsse für die meisten Wohnmobile. Daneben ist der Wasseranschluss. Viele Wohnmobile haben Tanks für Abwasser und Toilette. Diese kann man beim Verlassen des Campingplatzes kostenfrei leeren. Eine Entsorgung direkt am Stellplatz ist nur zu empfehlen, wenn man länger bleibt.
Die Reiseroute
Wenn Du uns vielleicht schon länger folgst, z. B. durch Alaska, stellst Du fest, dass uns eine Mischung aus Reisen, Abenteuer und Aktivitäten wichtig ist. Mit dem Wohnmobil war das für uns nochmal eine komplett neue Erfahrung. Ein Tipp an der Stelle – plane mehr Zeit für die Fahrtstrecken ein. Eine gute Orientierung sind max. ca. 250km – 300km am Tag. Somit hast Du Gelegenheit auch noch Aktivitäten wie Wanderungen, Kanu fahren oder ähnliches zu machen ohne in Stress zu geraten.
Nun liste ich Dir mal die einzelnen Tage auf. Dies soll Dir eine grobe Orientierung für unsere Wohnmobil Tour geben. Du erfährst, was wir auf der Route gemacht haben. Weiterhin gebe ich Dir schon erste Tipps für Campingsplätze.
Tag 1 – Ankommen und Shopping
- Flug nach Toronto
- Mietwagen anholen und Outlets besuchen
Da wir Fans nordamerikanischer Outlets sind, haben wir uns am Flughafen einen Mietwagen geholt und sind die in die knapp 30km entfernten Premium Outlets von Toronto gefahren. Abends haben wir uns im Hampton Inn am Flughafen einquartiert.
Tag 2 – Wohnmobil abholen und einkaufen
Wir haben das Wohnmobil beim Anbieter Fraserway RV gebucht. Die haben einen kostenfreien Shuttle Service zur Verleih Station. Dort haben wir das Wohnmobil in Empfang genommen. Nach einer sehr guten Einweisung ging es dann in Richtung Barry. Dort haben wir in einem Walmart das nötigste für den Kühlschrank eingekauft, waren anschließend in der Flying Monkeys Brewing und sind am späten Nachmittag nach Own Sound weitergefahren. Übernachtet haben wir auf dem Harrison Campground.
Tag 3 – Fahrt nach Tobermory
In Own Sound kannst Du die Inglis Falls Wasserfälle besuchen. Der Parkplatz kostet 10 CAD. Lohnt sich aber. Ein Platz fürs Wohnmobil gab es auch. Auf dem Weg nach Tobermory lädt einen die atemberaubende Landschaft immer wieder zum Stehenbleiben an. Übernachten haben wir in Tobermory auf dem Cyprus Lake Campground.

Tag 4 – Bruce-Peninsula-Nationalpark
An Tag 4 haben wir das Wohnmobil mal stehenlassen. Somit konnten wir uns im Bruce-Peninsula-Nationalpark aufhalten. Wir sind zu The Grotto gewandert. Der Weg führt Dich vom Campingplatz weg, an einem See vorbei direkt zum Strand von Lake Huron. Unsere Tour war 6.6 km mit ca. 100hm lang. Abends sind wir in die Tobemory Brewing Company eingekehrt.

Tag 5 – Fähre von Tobermory nach South Baymouth
Am nächsten Morgen haben wir die Fähre nach South Baymouth genommen. Die Fährt fährt 2x am Tag. (in der Hauptsaison 3x). Für unser Wohnmobil mit eine Länge von 25 Feet (7,60m) haben wir 145 CAD bezahlt. Es empfiehlt sich, das Ticket vorher online oder direkt am Schalter zu kaufen. Die Überfahrt dauert ca. 2 Stunden.
Erster Stopp mit unserem Wohnmobil für diesen Tag war der Leans Mountain Lookout. Von hier aus hat einen schönen Blick über den Ort „Little Current“. Man kann von hier aus eine kleine Wanderung machen, oder einfach den Ausblick genießen. Anschließend ging es zum 10-Mile-Point. Zu Empfehlen ist die Manitoulin Brewery in Little Current. Wir haben den „Batmans Campground“ angesteuert
Tag 6 – Wanderung und Genießen
Fahrt mit dem Wohnmobil zum Parkplatz des Cup & Saucer Trail. Die Wanderung ist sehr beliebt in der Gegend, hat eine Länge von 9km, dauert ca. 2,5 Stunden und hat ca. 100hm. Wenn Du die große Runde machst läufst Du zwar lang durch den Wald, wirst aber dann mit einer erstaunlichen Aussicht belohnt. Entlang der Felsenkante (auf einem sicheren Weg) gehst Du den Rundweg dann zurück und genießt tolle Spots.


Am Nachmittag ging es weiter zu den Bridal Veil Falls und der Split Rail Brewery nach Core Bay.

Tag 7 + 8 – Fahrt nach Parry Sound
Heute war eines der längsten Fahrten. Mit dem Wohnmobil ging es von Little Current über Sudbury nach Parry Sound. Der Killarney Provincial Park liegt südlichen von Sudbury, soll auch wunderschön sein, hat aber zeitlich nicht mehr ins Programm gepasst. Parry Sound ist ein recht kleiner Ort. Wir haben dort zwei Nächte verbracht, was sich nicht wirklich gelohnt hat, aber mit dem Wohnmobil der nächste sinnvolle Stopp war. Da das Wetter schlecht war, sind wir in die Trestle Brewing Campany eingekehrt.
Am nächsten Tag haben wir Parry Sound erkundet und waren auf dem Tower Hill. Von dort oben hat man einen guten Ausblick über die Region. (Campingplatz: KOA Parry Sound)

Tag 9 – Fahrt nach Huntsville
An Tag 9 ging es nach Huntsville. Eine kleine idyllische Stadt. Auf dem Lions Lookout bekommt man wieder einen guten Überblick über die kleine Stadt. Im Smokin Hot BBQ Smokehouse gibt es, wie der Name schon verrät tolle Gerichte aus dem Smoker. Der Campingplatz Algonquin Pines liegt etwas außerhalb der Stadt aber noch vor den Toren des Algonquin Nationalpark. Der Park selbst hat viele Campingplätze für Wohnmobile. Hier musst Du aber früh dran sein.
Tag 10 – Kanu fahren
Für den Algonquin Nationalpark werden Tickets verteilt. Ist die maximale Anzahl von Tickets erreicht, machen sie den Park zu. Wenn Du allersings einen Campingplatz im Park hast, hast Du damit automatisch die Erlaubnis in den Park zu fahren. Wir hatten für Tag 10 leider kein Ticket, haben aber die Zeit genutzt und haben uns ein Kanu ausgeliehen.
Bei den Algonquin Outfitters am Oxtongue Lake, kann man sich ein Kanu mieten. Mit dem Boot kannst Du den 4 km entfernten Ragged Wasserfall ansteuern, oder einfach über den See fahren. Parkplätze für Wohnmobile sind reichlich vorhanden. Am Nachmittag ging es dann mit dem Wohnmobil noch weiter nach Dorset. Dort kann man den Dorset Scenic Tower besuchen und hat einen perfekten Ausblick (über den Indien Summer).


Tag 11 – Wandern im Algonquin Nationalpark und Fahrt nach Renfrew
Für Tag 11 konnten wir einen Tagespass für den Algonquin Nationalpark ergattern. Am Parkeingang gibt es Wanderkarten, auf denen alle Rundwege eingezeichnet sind. Es ist auch markiert, wo Du mit Deinem Wohnmobil parken kannst und wo eher nicht. Da wir nur einen Tag im Park waren, haben wir folgende kleinere Wanderungen gemacht:
- Whiskey Rapids Trail (2 km)
- Track and Tower Trail (8 km mit 180hm)
- Lookout Trail (2,1 km)
Bekannt ist noch der Missy Lake Trail mit 11,3 km. Hier solltest Du Zeit einplanen und früh starten.
Am Nachmittag ging es dann mit dem Wohnmobil noch ca. 2 Stunden (170 km) weiter nach Renfrew. Essen gabs diesmal bei Bosten Pizza. Übernachtet haben wir diesmal wieder auf dem Walmart Parkplatz.
Tag 12 – Fahrt nach Ottawa
Heute ging es nach Ottawa. Mit dem Wohnmobil ist es nicht gestattet nach Ottawa rein zufahren. Straßen und Parkplätze sind eh zu eng dafür. Wir haben also wieder einen Walmart Parkplatz angesteuert. (Terminal Ave). Von hier aus kommst Du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in 15min. direkt ins Zentrum. Ottawa fanden wir weniger spannend. Da reicht ein Tag. Angeschaut haben wir den
Parlament Hill und das Gebäude, den Rideau Kanal und sind anschließend mal durch Byward Viertel gelaufen. Hier gibt es viele Cafés und Märkte.

Tag 13 – Fahrt nach Süden zum St. Lorenz Strom
Nun ging es mit dem Wohnmobil weiter in Richtung Süden. Wir haben uns für den Farran Park Campground entschieden. In der Nähe fand abends das Pumkinferno im Upper Canada Village statt.



Tag 14 – Panne am Wohnmobil
Nach kurzer Weiterfahrt in Richtung Kingston mussten wir feststellen, dass man versucht hat uns den Katalysator zu stehlen. Das ist bei großen Wohnmobilen leider keine Seltenheit. Der Hohe Wert der verbauten Edelmetalle verleitet leider zu solchen Taten. Den Katalysator konnten wir zwar retten. eine Weiterfahrt mit dem Wohnmobil war aber ausgeschlossen. Gestrandet sind wir an diesem Tag in
Prescott. Als kleinen Trost, gab es dort zum Glück die Windmill Brewery. In der Nähe durften wir über Nacht parken. Über den OnRoad Support haben wir einen Austausch des Wohnmobile am nächsten Tag vereinbart.
Tag 15 – Über Kingston zum West Lake Campground
Nachdem wir alle Sachen umgeladen haben, ging es mit dem neuen Wohnmobil weiter über Kingston zum West Lake Campground im Sandbanks Provincial Park. An den Dünen kann man einen kleinen Rundweg von ca. 3,3 km mit kaum Höhenmetern machen.
Tag 16 + 17 – Niagara Falls
Heute stand ein längere Fahrt auf dem Programm. Mit dem Wohnmobil ging es an Toronto vorbei nach Niagara. Dort haben wir den Niagara Falls KOA Holiday Campground angesteuert. Dieser liegt etwas außerhalb, ist sehr groß und sauber. An der Hauptstraße gibt es ein paar Restaurants und Bars. Bei Boston Pizza lief an dem Abend ein Spiel der Toronto Blue Jays.
Am nächsten Tag sind wir mit einem Uber in die Innenstadt gefahren. Es empfiehlt sich das Wohnmobil stehen zu lassen. Das erspart zum einen das „ständige“ Auf- und Abbauen des Wohnmobils, zum anderen muss man sich in der Innenstadt keinen Parkplatz suchen. Die Fahrt dauert. ca. 15min.
Die Hauptattraktion sind natürlich die Niagara Fälle. An der Ufer Promenade kann man ca. 1,5 km entlang laufen und hat einen tollen fantastischen Blick auf die Fälle. Wer näher heran möchte kann eine Bootstour mit Niagara City Cruises buchen. Die Fahrt dauert ca. 20min und kostet ca. 30€.


Tag 18 – Shopping Mall und finaler Campground
In der Nähe von Niagara gibt es die Outlet Collection at Niagara. Hier findest Du eine riesen Auswahl an Designer Mode. Nach einem „kurzen“ Halt ging es dann zu unserem letzten Campground vor der Abgabe. Das wird oft empfohlen, weil man hier noch mal alle Tanks (Schwarzwasser) des Wohnmobils leeren kann und sich am Ende somit unnötige Kosten spart.
Tag 19 – Abgeben des Wohnmobils und Aufenthalt in Toronto
Am letzten Tag haben wir das Wohnmobil wieder abgegeben. Anschließend hat uns ein Shuttle zurück in die Stadt gebracht. In Toronto haben wir dann noch zwei Tage verbracht, haben uns die Stadt angesehen und die letzten Spiele der Toronto Blue Jays verfolgt.
Fazit
Obwohl wir das erste Mal mit einem Wohnmobil unterwegs waren, haben wir uns gut in diese Art zu reisen eingefunden. Es ist alles eine Frage der Übung. Man hat seine Unterkunft immer dabei. Abstellen, wo man möchte hat leider nicht immer so geklappt, dafür sind die Campingplätze gut organisiert und sehr sauber. Die meisten Campingplätze sind mit einer Feuerstelle ausgestattet. Hier kannst Du grillen oder einfach nur ein Lagerfeuer machen. Bevor Du mit Deinem Wohnmobil startet, solltest Du eine ungefähre Idee haben, welche Strecke Du zurücklegen möchtest. Daraus ergeben sich dann die möglichen Stell- und Campingplätze.
Falls Du Fragen zur Route oder anderen Themen hast, meld Dich gern.
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